Brief 4

Mein Name ist H. G., seit 4 Jahren bin ich mit meiner Familie in Deutschland. Ich bin Literatur Lehrerin von Beruf. In der Türkei habe ich 23 Jahre im Gymnasium gearbeitet. Mein Mann ist Geographie Lehrer von Beruf, er hat 28 Jahre lang gearbeitet. Wir haben 3 Kinder.

Der 15 Juli 2016, das Datum ist der Beginn der schlimmsten Tage in unserem Leben. Nach dem Putschversuch wurden wir plötzlich Terroristen von der Regierung angesehen (genannt). Jedoch hatten wir jahrelang nur unterrichtet. Kreide, Stifte, Bücher, Klassenräume hatten wir nur gekannt, nicht Waffen, Bomben …

Viele Menschen, die vor einem Tag noch ganz normale Menschen waren, sind über Nacht plötzlich Terroristen geworden. Innerhalb von ein paar Wochen wurden tausende Menschen, Akademiker*innen, Journalist*innen, Lehrkräften, Anwälte*innen… inhaftiert.

Mein Mann und ich haben eine schwierige Entscheidung getroffen:

Wir mussten unsere Heimat verlassen.

Anlässlich des Frauentages möchte ich hervorheben, dass viele Frauen, Mütter mit ihren kleinen Babys im Gefängnis sind. Ca. 17000 Frauen, 800 Babys. Wenn ich von der Türkei nicht geflohen wäre, dann wäre ich wahrscheinlich eine von ihnen. Seitdem wir nach Deutschland gekommen sind, haben wir hier Respekt, Unterstützung, Verständnis erlebt, in Büro vom BAMF, in der Schule, in der allen Behörden…

Mir ist aufgefallen, dass die Hauptsache hier Menschlichkeit ist, egal woher du kommst, welche Identität du hast, Sprache, Religion unwichtige Sache sind, Ich bin total begeistert, da ich ein neues Leben in Deutschland angefangen habe. Ich würde gerade mein neues Leben ausdrücken.

Seit 4 Jahren leben wir in Kassel und ich beschäftige mich fast jeden Tag mit Deutsch. Bis zum C1 Niveau war ich an der Uni-Kassel, dort habe ich viel gelernt. Dann habe ich an dem Projekt „Sozialwirtschaft Integriert“ teilgenommen. Im Rahmen des Projekts habe ich 4 Monate in einer Grundschule Praktikum gemacht. Mein Ziel ist, in den sozialen, pädagogischen Bereich zu bleiben. Ich würde gerne meine beruflichen Erfahrungen in Deutschland anwenden.

Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Ich bin für alles sehr dankbar, vor allem dafür, dass ich im Freiheit leben kann.

Frau H.G.


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